MITTAGSSTUNDE am Thalia Theater

ein Roman von Dörte Hansen/ Bühnenfassung Anna-Sophie Mahler/ Regie Anna-Sophie Mahler

Uraufführung

„De Welt geiht ünner“, sagte Marret Feddersen. Seit die Landvermesser zur Flurbereinigung kamen, veränderte sich Brinkebüll. Aus kleinen Feldern wurden große Ackerflächen und aus Sandwegen Asphaltstraßen. „Das ganze Enge, Schiefe und Beschränkte, das Verwinkelte und Zugewachsene, das Umständliche“ wurde abgeräumt. Als die Landvermesser Brinkebüll wieder verließen, war Marret Feddersen schwanger. So kam Ingwer auf die Welt. Weil Marret leicht „verdreiht“ war, kümmerten sich die Großeltern um den Jungen. Früh stand Ingwer mit Großvater Sönke hinter dem Tresen des Dorfkrugs, den er später einmal übernehmen sollte. Aber Ingwer verließ das Dorf, um in der Stadt zu studieren. Mit bald 50 kehrt er zurück, um die Großeltern zu pflegen und sein eigenes Leben neu zu sortieren. Im Dorfkrug erinnert er sich an die Zeit, als er auf Marrets Füßen stand und sie Schlager sang. Ohrwürmer, die von Tränen, Träumen und gebrochenen Herzen handelten. „Wir wollen niemals auseinandergehn.“

Die norddeutsche Tiefebene zwischen Hamburg und Küste hat eine literarische Stimme, die die Leserinnen und Leser zu Hunderttausenden begeistert“ (Der Spiegel) und die Kritik von einem „literarischen Ereignis“ sprechen lässt: Die Autorin Dörte Hansen aus Husum, die nach „Altes Land“ mit „Mittagsstunde“ vom Verschwinden der ländlichen Welt erzählt. Es ist ein Roman über das fiktive norddeutsche Dorf Brinkebüll, das den Strukturwandel in der modernen Landwirtschaft in den 1960er Jahren erlebt. Dörte Hansen sagt: „Es endet das Zeitalter der Sesshaftigkeit. Aus dem lebendigen Kosmos Dorf ist ein Schlafort geworden, wo man heute nichts mehr machen kann, nicht mehr zur Schule geht, nicht mehr einkaufen kann, sich nicht mal mehr im Gasthof betrinkt.“

Premiere am 27. Februar 2021

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La Bohème (UA)

Träume // Leipzig

Ein Musiktheaterprojekt

„An Träumen und Luftschlössern ist meine Seele Millionärin“, heißt es in Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“ von 1896: Die an Träumen so reichen Künstlerfreunde leben ein Leben am Rande der Armut. So groß ihre Liebe zum Leben ist, so gefährlich ist die Realität, die irgendwann in Gestalt von Krankheit den Tod bringt. Das Spannungsgeflecht von Selbstverwirklichung und Gesellschaft, Freiheit und Risiko hat sich in der Gegenwart nicht aufgelöst – ebenso wenig der Traum von einer Möglichkeit des Zusammenlebens jenseits der Normen.
Die Autorin Anne Jelena Schulte und die Regisseurin Anna-Sophie Mahler haben sich in Leipzig auf die Suche gemacht nach solchen Orten der Utopie und der Gemeinschaft. Gefunden haben sie in ihren Recherchen eine Gemeinschaft, die sich zu einer besonderen Art des Zusammenlebens zusammengefunden hat. Aus sehr unterschiedlichen Beweggründen, freiwilligen und unfreiwilligen, entstanden der Ort und die Utopie eines neuen Weges der Selbstbestimmtheit und Selbstorganisation. Ein Ort am Rand der gesellschaftlichen Wahrnehmung und am Rand der gesellschaftlichen Absicherung. Mit einer Freiheit, die wiederum nicht ohne Abgrund ist, und sehr fragil – von außen und von innen. 
Auf Basis dieser Recherchen komponieren Anna-Sophie Mahler und Anne Jelena Schulte zusammen mit dem Komponisten Arno Waschk eine neue „Bohème“. Eine, die die Gegenwart im Blick hat und so die Oper und ihre Themen neu hinterfragt. Eine „Bohème“ der Gegenwart, die wenig mit den Kunstschaffenden der Feuilletons zu tun hat, aber viel mit unserer Gesellschaft.

PREMIERE am 30. April 2021

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whistleblowerin/elektra

dokumentarisches theater mit operngesang am theater neumarkt
subtitled in english

als yasmine motarjemi in vevey ihre stelle als corporate food safety manager antritt, ist sie hochmotiviert, gut ausgebildet, ihre expertise international anerkannt. wer in der nahrungsmittelsicherheit arbeitet, muss genau sein. die vorgaben, die entwickelt werden, haben weltweit auswirkungen, im besten fall verursachen fehler bauchschmerzen, im schlimmsten fall sterben kinder.
 dass es im börsenkotierten konzern auch gegenwind gibt, gehört zum job. dann wird aus gegenwind mobbing: ihre arbeit wird verunmöglicht, sie arbeitet weiter, schlägt alarm, macht weiter. irgendwann liegt eine kündigung auf dem tisch. und eine abfindung. das geld wird sie nicht nehmen. 15 jahre später entscheidet das gericht zu ihren gunsten. eine frau zieht gegen den grössten nahrungsmittelkonzern der welt vor gericht, allein. wie die antike elektra aus der oper von strauß kann sie zu unrecht nicht schweigen. aber whistleblowing hat seinen preis.

mona somm kann ein lied davon singen – genau genommen eine arie, die als eine der herausfordernsten der musikgeschichte gilt. ein abend mit 
und über frauen, die den mund aufmachen.

das zusammenspiel aus schauspiel und einsprengseln von oper bekommt eine dringlichkeit, eine tragische grösse, weil in der musik auch die ganze emotionalität raus kann, die die managerin yasmin motarjemi sich verbietet. […] sascha özlem soydan spielt das sehr stark, sehr eindringlich – da kann einem diese hässliche businessgeschichte durchaus an die nieren gehen. (srf 2 kultur)

premiere: 5. November 2020

nächsten aufführungen: 27. nov. 20 uhr, 29. Nov. 18 uhr, 14. dez 20 uhr

leitungsteam

konzept & regie:anna-sophie mahler

regieassistenz: sarah calörtscher

ausstattung:sophie krayer

recherche & konzept: sylke gruhnwald

musikalische bearbeitung:stefan wirth

sound design:marcel babazadeh

dramaturgie & konzept: julia reichert

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